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Mittwoch, 10. Juni 2009

Mascha & Lutz allein in New York

Nachdem wir meine Eltern (und die Koffer, die wir Ihnen mitgegeben haben) letzten Samstag, am 6. Juni, in Richtung Deutschland verabschiedet haben, ging es am gleichen Abend zu einem dominikanischen Essen. Bei Michael, unserem Österreicher, haben wir uns mit ein paar LL.M.s getroffen, Liz aus der Dominikanischen Republik hat für uns gekocht und Nachtisch gab es vom Niederländer Martijn. Dafür haben wir einen Rooftop Film ausfallen lassen und den Target First Saturday im Brooklyn Museum mit Live-Musik etc. Und es hat sich gelohnt!

Am Sonntag darauf hieß es erstmal ausschlafen, bevor wir ums Eck vor der Brooklyn Academy of Music in einem Souk waren, unterhalb vom Clock Tower. Der Markt mit allerlei arabischen Spezialitäten etc. fand nur dieses Wochenende statt im Rahmen des Muslim Voices Festival, dessen Eröffnung mit Bürgermeister Bloomberg und Youssou N'Dour wir mit meinen Eltern am letzten Freitag gesehen hatten (die Zeit mit meinen Eltern werde ich immer mal zwischendurch einstreuen, ebenso wie das gesamte letzte Semester..., aber zuerst versuche ich nun up-to-date zu bleiben...).

In der Straße ums Eck fand der sog. Atlantic Avenue ArtWalk statt, in amerikatypischer Weise gab es neben den üblichen Gallerien mit Kunst auch Boutiquen mit Kunst, geschlossene Künstlerstudios mit Kunst als offene Künstlerstudios mit Kunst, Restaurants mit Kunst und Kunst mit anderer Kunst gemischt. Crossover ist ohnehin groß in Mode in New York, man kann bpsw. auch in der Modeboutique frühstücken. Nur bei Tiffany's frühstücken, das funktioniert nicht wirklich.

Mit Sadia bin ich dann noch zur Brooklyn Tabernacle, bevor wir zu dritt in einem äthiopischen Restaurant in meiner Nachbarstraße gelernt haben, dass Essen rein mit den Händen schwieriger sein kann als mit Stäbchen. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei einem französischen Freund sind wir dann mit mehreren LL.M.s ins Kino. Dort wiederum haben wir in "Hangover" gelernt, dass Junggesellenabschiede mit Alkohol schwieriger zu erinnern sein können als ohne.

Montag war das Highlight das Peter King Quartet im Dizzy's Club Coca-Cola. Inzwischen gebe ich schon ab und zu versehentlich eben jenen Club als Adresse an. Immerhin sieht das jener genauso und hat uns daher einen Tisch vorne reserviert, weswegen wir auf die Warteschlange verzichten konnten.

Dienstag war das Motto ebenso Warteschlangen vermeiden. Wir hatten sog. VIP-Tickets für die Daily Show mit Jon Stewart, allerdings müssten die eher VLP-Tickets heißen. Ich habe es nämlich im Gegensatz zu anderen Verwandten von Jon, Produzenten etc. aufgrund meines nicht vorhandenen VIP-Status bekommen, sondern durch meinen Very-Late-Person Status. Beim letzten Termin war ich diejenige Person, die gerade nicht mehr hineinpasste in der Schlange, deshalb hatte jemand erbarmen mit mir... Ihr kennt das ja, manchmal wirke ich so niedergeschlagen, dass man mich wie der Free-Hugs-Mann am Union Square einfach nur in den Arm nehmen möchte. Jedenfalls mussten wir dadurch nicht 3 Stunden in der Kälte warten und hatten eine extra Tribüne. Allgemeines zur Show gibt es in meinem Eintrag zum ersten Besuch bei Jon mit Mara, unsere Folge mit Peter Schiff hier. Er hat nicht nur die Finanzkrise vorhergesagt, sondern in der Show auch seine Kandidatur für den Senat angekündigt (den wir durch einen Zufall in Washington besuchen konnten, dazu später mehr).
Fotos darf man ohnehin nicht machen, deswegen gibt zwei thematisch völlig irrelevante Fotos von den Schiffen an den benachbarten Docks (oben das Museum der USS Intrepid)... Der Einpeitscher war genial, Jon ebenso und hat gar noch Insiderjokes für das Publikum in die Live-Sendung eingebaut.

Danach sind wir zur Museum Mile Opening Ceremony am Guggenheim. An der Museumsmeile war die Fifth Avenue über einen Kilometer gesperrt, alle Museen hatten länger und umsonst geöffnet und Erwachsene haben ihre geheime, schier unstillbare Liebe zur Straßenmalerei erkannt (Das Foto links unten soll übrigens eine Sprechblase des Metropolitan Museum darstellen...). Bis auf die Straßenmalerei vergleichbar mit unseren langen Nächten der Museen.

















Wir haben uns von den mit Kreide bewaffneten Bankern in Anzügen aber nicht lange aufhalten lassen und sind durch den Central Park vorbei am Boathouse und John Lennon's Gedenkplatz ans Lincoln Center gelaufen (wo auch meine Graduation Celebration stattfand, dazu später), in dessen Damrosch Park der 16 Grammys schwere YoYo Ma ein kostenloses Open Air Konzert gab. Was auch schwer in Mode ist in New York. Wobei wir wieder beim Thema Crossover wären, YoYo Ma's Version von Ennio Morricone's Filmmusiken ist nämlich genauso klasse wie die orientalische Musik, die wir uns an dem Abend noch ein wenig angehört haben.

Mittwoch sind wir gleich noch einmal zurück an den Tatort der Straßenmaler, zum National Academy Museum, in der die 184th Annual Exhibition of Contemporary American Art stattfand. Es wurde auch wirklich Zeit, nachdem wir die 183 davor verpasst hatten. Die nächsten 183 werden aber wieder wohl an uns vorbeiziehen, der Knüller war es nicht. Deswegen ging es weiter in die Gagosian Gallery in den The Carlyle Galleries (dort, wo wir Woody Allen angehört haben). Go Figure mit Andy Warhol und Roy Liechtenstein sowie Marble mit Jeff Koons, Jean Arp und kykladischer Kunst war das Ziel in der besten Gallerie New Yorks.

Abends ging es bei mir in die Nachbarschaft. Auf dem Dach der größten und einer der besten drei technischen Schulen, Brooklyn Technical High School, fand ein Screening von Rooftop Films statt. Erst gab es Livemusik (dort spielten u.a. schon TV on the Radio), dann wurden die Kurzfilme von Lev Yilmaz gezeigt, der ein Publikum von über 11 Millionen mit seinen YouTube-Filmchen erreicht hat. Außerdem gab er eine Lesung seines neuen Buches (bei Simon & Schuster).









Unter dem Motto "Tales of Mere Existence" wurden auch andere passende Filmbeiträge vorgeführt, allerdings waren die von Lev das Beste. Hier ein praxistaugliches Beispiel, "How To Break Up With Your Girlfriend in 64 easy steps":

Dienstag, 5. Mai 2009

Live-Musik Wochenende

Letztes Wochenende hat sich vor allem in Greenwich Village abgespielt. Abgespielt im wahrsten Sinne des Wortes. Am Freitag ging es mit meinen UN-Kollegen, dem deutschen Delegierten und einer Gruppe LL.M.s in die Bar55, die es beim Alter mit meiner Oma aufnehmen kann (oder umgekehrt). Eine Live-Blues-Bar erster Klasse mit einer dementsprechenden Band, direkt neben dem Stonewall Inn, in dem am Morgen des 28. Juni 1969 der berühmte Stonewall-Aufstand gegen die Polizei-Razzien stattfand. Diesem wichtigen Ereignis der Lesben- und Schwulenbewegung wird jährlich durch die Christopher Street Day Paraden gedacht.



Danach ging es ins Fat Cat, ein paar Häuser weiter an der Christopher Street, zum Billard-Spielen und schließlich in den Union Square Coffee Shop.









Samstag Abend waren wir in einer französisch-österreichisch-deutschen Gruppe zuerst Essen in der berühmten John's Pizzeria, diesmal allerdings nicht in der umgebauten Kirche nahe dem Times Square, sondern im Stammsitz. In dem sich jeder im Holz verewigt. Frisch gestärkt waren wir bereit fürs The Bitter End (nachdem wir zu Michael's und Katia's Geburtstag schon im Happy Ending waren...), den ältesten Live-Rock-Club New Yorks, der schon einiges gesehen hat. Woody Allen, Tracy Chapman, Chick Corea, Miles Davis, Neil Diamond, Bo Diddley, Bob Dylan, Stan Getz, Bill Haley, Norah Jones, Billy Joel, Bette Midler, Van Morrison, Mohammed Ali, Stevie Wonder, Neil Young, ... Geringes Cover, dafür viele Bands. Hier ein kurzer Ausschnitt eines Paper Planes Covers (kennt man aus Slumdog Millionär):



Eine Band war richtig gut mit einer Mischung aus Alternative-Indie-Classic-Hard-Rock-Blues-Rap, genannt All Crazy. Wie passend.

Donnerstag, 2. April 2009

Die spinnen, die Amis #12

Wer's nicht glaubt, geht bitte am 3. April um 20 Uhr ins Warsaw, 261 Driggs Ave., Brooklyn zur Kaiju Big Battel. Das ist eine Wrestling-Liga im Schaum-Gummi Gwar Stil mit japanischer Anime Hintergrundgeschichte. Wer's dann noch nicht glaubt, spinnt selbst.

Wer was sinnvolleres machen will, liest sich das New Yorker Blog von Martijn durch, einem holländischen Kollegen von mir. Natürlich auf holländisch.

Freitag, 13. März 2009

New Orleans Mardi Gras - Pardi Gras

Direkt nach den Paraden in ganz New Orleans strömen alle - und ich meine alle - in eine einzige Straße, die Bourbon St. Die macht ihrem Namen auch alle Ehre. Zu den üblichen Traumfassaden kommt Live-Bands, die halb auf der Straße stehen, Leute, die kaum auf der Straße gehen können, und Kettenwerfer, die auf dem Balkon stehen. Die Straße ist in jeder Hinsicht unvorstellbar voll. Feucht-fröhlich-frivol sind die Zutaten!
Klar, dass hier der Cocktail Hurricane erfundern wurde - wüsste ich es nicht besser, würde ich hier auch den Ursprung von Absinth hinverlegen. In weiser Voraussicht werden schon auf den Paraden Becher der einzelnen Krewes geworfen. Da ist es sehr praktisch, wenn man ein Hotel direkt am Rande des French Quarters und der Bourbon St. in der Nebenstraße der Paraden hat, mit gutem Frühstück...








Das Einzige, was mir etwas spanisch vorkam, war, warum die Leute nach den Paraden sich noch auf der Straße ausziehen, um Ketten zu ergattern, die vorher schon in unvorstellbaren Mengen geworfen wurden. Aber andererseits, Louisiana war schließlich mal spanisch.





Und noch ein paar Fotos:

























Während die einen vor dem heiligen Bund der Ehe noch schnell Küsse einsammeln müssen, versuchen andere, die feucht-fröhlichen Schäfchen wieder eilig einzusammeln und ins Trockene zu bringen. Und über all dem scheint eine höhere Instanz zu wachen, die aber angesichts der Meute in der Bourbon St. manchmal nur ein Schatten ihrer selbst ist.













Wieder andere sind schon einen (Tanz-)Schritt weiter. Durch Zufall haben wir eine Hochzeit(sprozession) mitbekommen, ein Wahnsinn. Zu Bigband-Klängen mit Tuba & Co. swingte sich diese durch New Orleans. Das Foto rechts ist typisch New Orleans: kalten, dynamisch-verschwomme Blautöne für den quirligen Teil und die fast komplementären Töne links für die angenehm-gemütliche Jazz-Atmosphäre.











New Orleans Mardi Gras - Paraden

Eins vorweg, an sich bin ich kein großer Karnevalsfan. Aber gegen Mardi Gras in New Orleans wirkt jeder deutsche Karneval wie ein Kindergeburtstag (nichts gegen Kindergeburtstage, nur Kindergeburtstage mit Erwachsenen sind nicht so meins). Hier hat alles Stil, alles ist geschmückt, es gibt mehr und prunkvollere Paraden (von der Wein- bis zur Hundeparade) und feiern können sie hier auch. Selbst das Wetter kriegen sie hier besser hin.

Schon die Vorbereitung ist akribisch, wie man mit guten Augen oder einem Klick rechts sehen kann. Um ja nichts zu verpassen, werden am Straßenrand noch eben schnell die Haare geschnitten, um dann den Grill anzuschmeißen. Nur (leider!) werden keine Süßigkeiten, sondern meist Ketten geschmissen... Ca. 100 kg p.P. Anfänger hängen diese um den Hals wie wir, Profis haben spezielle Posten für Kind & Kegel Ketten, Veteranen schicken gar ihre Kinder vor.







































































Die letzten zwei Bilder geben schon einen Vorgeschmack auf das, was auf die Paraden folgt...